Sherpa – Suddeutsche Zeitung Magazin 4/2019

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SZ-Magazin: Herr Marzi, sind Sie selbst Bergsteiger?
Adriano Marzi: Ja natürlich, ich liebe das Bergsteigen.

Haben Sie dadurch von der Situation der Sherpas erfahren?
Ja. Ich bin durch den Osten Nepals gereist und bin durch die Region zwischen dem an Indien angrenzenden Flachland und dem Himalaya-Gebirge gewandert. Dabei musste ich auch mehrere Bergpässe überqueren. Ich war also auf die Hilfe von Trägern angewiesen, die üblicherweise Sherpa genannt werden. Der Begriff Sherpas bezeichnet eigentlich die Bewohner von Regionen im Osten Nepals. Heute werden so allerdings alle genannt, die als Träger arbeiten – auch wenn sie aus einer anderen Gegend stammen.

In der Hochsaison im April und Mai zieht das Himalaya-Gebirge Hunderte Menschen an, die sich unter anderem am Mount Everest ausprobieren wollen. Was bedeutet dieser Massentourismus für die Sherpas?
Für die Sherpas hat das Ganze zwei Seiten. Einerseits bietet es ihnen die Möglichkeit zu arbeiten. In Nepal ist diese Art von Arbeit sehr üblich, denn die Menschen haben nicht viele Optionen, selbst wenn sie gebildet sind. Tourismus ist einer der wichtigsten Sektoren für die nepalesische Wirtschaft und gerade für viele junge Menschen ist die Arbeit als Träger attraktiv. Andererseits kann die Arbeit der Sherpas tödlich sein. Im letzten Jahrhundert sind am Mount Everest etwa 300 Menschen gestorben, rund ein Drittel davon waren Sherpas. 2014 starben 16 Sherpas bei einem Lawinenrutsch. Heute wollen viele Menschen den Mount Everest besteigen, auch wenn sie viel zu unerfahren sind. Diese Menschen sind bereit, viel Geld für den Aufstieg zu zahlen. Die Sherpas verrichten dann alle gefährliche Arbeiten, die für den Aufstieg nötig sind: Sie bereiten die Strecke vor, fixieren Seile oder tragen Sauerstoffreserven. Sie riskieren ihr Leben und zahlen einen hohen Preis.

Was haben Sie bei diesem Projekt über die Sherpas gelernt?

Sie sind sehr stark und großzügig. Die Sherpas waren ursprünglich nicht am Bergsteigen interessiert, bis dieser riesige Markt entstanden ist. Sie werden also durch die wirtschaftliche Situation ihres Landes gezwungen, eine Arbeit zu verrichten, die bereits viele Leben gekostet hat. Sie glauben, dass die Berge von Göttern bewacht werden und respektieren das Gebirge. Wenn sie heute Expeditionen begleiten, beten sie zuvor und bitten um Erlaubnis, den Berg erklimmen zu dürfen. Im Gegensatz zu den Touristen liegt ihnen nicht viel daran, den Gipfel zu erreichen. Das ist ein westlicher Reiz. Die Sherpas können die Schönheit und die Kraft der Berge auch aus den Tälern spüren.

Sie dokumentieren, wie der Tourismus die Sherpas ausbeutet. Sollten Besucher dann nicht lieber ganz auf die Hilfe der Sherpas verzichten?
Das ist eine schwierige Frage, die jeder für sich beantworten muss. Ich stimme mit den Sherpas überein und denke, dass die Schönheit von Bergen auch mit Abstand zu erkennen ist. Das war zum Beispiel meine Erfahrung mit dem Mount Everest. Es ist verständlich, dass viele Sherpas große Risiken eingehen, denn mit nur einer Expedition können sie genug Geld verdienen, um sich ein Haus zu kaufen. Gerade deswegen liegt es in den Händen der Tourismusbranche, ethischer zu handeln. Es sollten nicht einfach alle Menschen jeden Berg besteigen dürfen. Gerade unerfahrene Bergsteiger bringen nicht nur sich selbst, sondern auch diejenigen, die ihnen helfen, in Gefahr.

Wie haben die Sherpa darauf reagiert, von Ihnen fotografiert zu werden?
Die meisten waren sehr offen. Es kommt auf die Art und Weise an, wie man von ihnen Bildern macht. Ich traf Menschen, trat mit ihnen in Kontakt, konnte mich mit ihnen austauschen und wir verbrachten teilweise mehrere Tage gemeinsam. Meine Reise begann in einer Region, in der es kaum Infrastruktur gibt. Dementsprechend baute ich eine enge Beziehung mit den Sherpas auf.

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Young Sherpas heading out on the last rise to Salpa La, the Himalaya pass parting the Sankhuwasabha region – an area not yet reached by tourism, inhabited mainly by Rai people of Hindu religion – and the Solukhumbu region, where Mount Everest rises

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A group of porters arriving from Bandhar village heading out on the last climb stretch to Lamajura La, the Himalaya pass doorway to the Solukhumbu region, where Mount Everest rises. Some of them wear plastic sandals even if they have to make headway under the snow and on a partially frosty path

 

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A young sherpa on the way to Lamajura La, the Himalaya pass to Solukhumbu region. Along the Everest Base Camp trek tourist facilities are supplied according to western tastes. Packing cases full of soft beverages, chocolates and any sort of snacks emerge from the doko placed on porters’ shoulders, fastened to their forehead by a long band

 

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A group of sherpas bound to Traksindo La – an Himalaya pass along the Everest Base Camp trek – seeking shelter from a sudden snowfall. They warm up by drinking tongba, a beverage made of hot water and fermented millet generally served in a bamboo cylinder provided with a staw

 

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A porter bound to Junbesi village having just overpassed Lamajura La, the Himalaya pass to Solukhumbu region, where Mount Everest rises

 

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A group of porters working on the Annapurna Sanctuary trek facing the last walking day to reach the “Sanctuary” (4200 m) at the feet of the mountain chain

 

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A Sherpa working along the Everest Base Camp trek

 

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Lakpa Sherpa – a famous Nepali mountain-guide who climbed Mount Everest six times and guided climbers from all the world on the top of some of the highest Himalaya peaks – in Sanam, his native village. “In the XXth century – he tells me – reaching the Everest peak was a challenge reserved to the most expert and brave climbers. In recent years it has turned to an adventure for heights tourists ready to pay as much as 100,000 dollars to be part of an expedition. Today the Base Camp is a place crowded 9 months a year, equipped with all modern comforts including wifi connection. Expeditions bound to the mountain top are so numerous that tonsof garbage are to be found on the way”

 

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The porter Purna Kumal Rai on the Salpa La, the Himalaya pass parting the Sankhuwasabha region – an area not yet reached by tourism, inhabited mainly by Rai people of Hindu religion – and the Solukhumbu region, where Mount Everest rises. On the back Mount Numbur.

 

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A group of Japanese tourists at Poon Hill along the Annapurna Sanctuary trek. Tourism is the main contributor in Nepal economy: in 2017 it was worth658 million dollars

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